Mädchen auf einem Kinderstraßenfahrrad

Leichte Kinderfahrräder

Leichtigkeit gibt es nicht zum Nulltarif. Aber die „Investition“ kann sich durchaus lohnen:

Noch bis vor ein paar Jahren wurden Kinderfahrrad-Rahmen insbesondere aus Stahl gefertigt. Die Produktion kann durch übliche Schweißverfahren recht wirtschaftlich durchgeführt werden. Der Nachteil ist jedoch, dass Fahrradrahmen und -gabeln und weitere Fahrradbauteile aus Stahl i.d.R. schwergewichtiger sind als Produkte aus anderen Materialien, wie beispielsweise Aluminium.
Ein paar neue Kinderfahrradproduzenten haben das „Gewichtsproblem“ bei den üblichen Kinderfahrrädern kritisiert und legen einen Schwerpunkt bei ihren Produkten auf leichte Gewichte.

Kinderfahrräder sind im Verhältnis zu dem Gewicht der Kinder oft sehr schwer. Manchmal ist das Kinderfahrräder in etwa halb so schwer wie das Körpergewicht. Das kann für einige Kinder - insbesondere beim Erlernen vom Fahrradfahren - eine besondere Herausforderung sein.

Andererseits gelten Kinderfahrräder mit einem Stahlrahmen als besonders stabil und robust. Das Magazin „DER SPIEGEL – online“ betitelte einen Beitrag aus 2022 „Sind teure Räder aus Aluminium wirklich besser?". Zur Beantwortung dieser Frage wurden sechs Modelle verschiedener Marken, Arten und Preislagen getestet. Wer beim Kauf nicht auf den Preis achten muss kauft sich oft ein teures Kinderfahrrad mit „Statussymbol“. Die Autoren des Beitrags fragten kritisch nach, ob bei manchen Marken das Preisleistungsverhältnis nicht zweifelhaft sei. Denn auch nach spätestens 18 Monaten werden auch die teuren Kinderfahrräder zu klein sein.
Leichtigkeit hat jedoch seinen Preis. Jedes eingesparte Kilogramm ist bei jedem Fahrrad (egal ob groß oder klein) meistens eine Frage des Preises. Mit anderen Worten: Leichtigkeit gibt es nicht zum Nulltarif. Aber die „Investition“ kann sich durchaus lohnen. Kleinen Fahranfänger:innen wird es ohne fremde Starthilfe (also z.B. ohne Anschieben oder Anstoßen) bei den ersten Fahrversuchen deutlich leichter fallen, wenn das Zweirad ein geringeres Eigengewicht hat. Wenn die Kinder auf einem Laufrad bereits die Balance auf einem Zweirad gelernt haben, dann kommt bei einem leichten Kinderfahrrad das Radeln das Pedalieren recht schnell und einfach hinzu.
Ein relativ schweres Kinderfahrrad kann beim Sturz auch belastender auf ein Kind fallen. Zudem ist das anschließende Aufrichten schwerer. Nur wenn Kinder sicher mit dem Fahrrad (an)fahren können, ist das Gewicht beim Fahren nicht mehr ganz so entscheidend.

Ein angemessenes Gewicht ist neben der passenden Fahrradgröße ein Kriterium, das beachtet werden sollte. Ob es immer ein sehr teures „Federgewicht“ sein muss, steht auf einem anderen Blatt. Natürlich sind Kinder unterschiedlich schwer und stark. Bei einem Körpergewicht unter 16 Kg wird oft ein ganz leichtes Fahrrad um 5 kg empfohlen. Bei einem Kindergewicht um 20 kg Kindergewicht dann ein etwa 6 Kg-Fahrrad. Bei 25 kg Körpergewicht kann das Fahrrad schließlich 8 kg wiegen.
Auch lernen Kinder ganz unterschiedlich den sicheren Umgang mit einem Kinderrad. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte der Rahmen einen tiefen Durchstieg vorweisen. Dann fällt das Fahrrad eher zwischen den Beinen auf den Boden. Wenn Kinder ihre Fahrräder noch nicht so sicher beherrschen, kann ein (zu) hohes Oberrohr sehr hinderlich sein. Auch bei den kleinen Kinderfahrrädern entwickelt sich derzeit ein Trend hin zu kleinen leichten Mountainbikes (MTB), was dann nicht immer günstig ist.
Zudem soll ein Kinderfahrrad ergonomisch für Kinder „geformt“ sein. Die Berührungspunkte Sattel, Lenker und Pedale müssen sinnvoll zu einender passen. Nur wenn alles für das Kind bequem und sicher ist wird es Spaß an seinem Zweirad haben und es auch oft benutzen.

Bei vielen Herstellern und Marken scheint ausschließlich das Gewicht im Vordergrund der Betrachtung zu stehen. Jeder will der „Leichteste“ sein. Die Gewichtsangaben lassen sich jedoch nicht immer fair miteinander vergleichen. Es muss beachtet werden, dass einige Kinderfahrräder serienmäßig recht umfangreich ausgestattet sind. So zum Beispiel mit fest verstrebten Schutzblechen, Gepäckträger, Lenkerkörbchen, Abstellständer, Glock usw.. MTB-ähnliche Kinderfahrräder dagegen haben nur als Basis eine geringe Ausstattung. Selbst einige Markenhersteller verzichten aus angeblichen Gewichtgründen auf einen für Kinderfahrräder gesetzlich vorgeschrieben Kettenschutz. Das ist dann eher gefährlich als sinnvoll und auch nicht erlaubt!
Um ein möglichst geringes Gewicht auszuweisen, werden von vielen Trendmarken sogar Angaben „ohne Pedale“ gemacht. Das scheint aber nicht besonders realistisch, denn Pedale sollten zum Fahrradfahren immer montiert sein.
Zusammenfassend meine ich, dass es nicht nur darauf ankommt, ob ein Kinderfahrrad ein Kilogramm mehr oder weniger auf die Waage bringt, sondern eher, was für das Kind sinnvoll, sicher und passend ist. Und zu guter Letzt kann es bei sehr leichtgewichtigen Bauteilen auch eher zu Rissen und Brüchen in den Materialien kommen. Das zeigen u.a. sogar die Tests von Stiftung Warentest.      
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