Kinderfahrrad fahren lernen

So lernen Kinder das Radfahren

Mobilität und Fortbewegung ist eines der menschlichen Grundbedürfnisse 

Kinder möchten von Natur aus ihre Grenzen erfahren: Mit den ersten Aufrichts-, Steh- und Gehversuchen trainieren sie ganz nebenbei ihren Gleichgewichtssinn. Wissenschaftlich nennt man das die „vestibuläre Wahrnehmung“.

Das vestibuläre System ist das Zusammenspiel von Gleichgewicht, Koordination, Augenkontrolle und Aufmerksamkeit und steuert unsere Bewegung und die Position des Kopfes. Es ist zugleich ein hilfreiches Instrument, um uns Menschen gegen die Schwerkraft zu bewegen. Alle unsere menschlichen Sinne sollen für ein Gefühl der Sicherheit beitragen. Ganz kleine Kinder suchen zunächst feste Gegenstände oder vielleicht die stützende Hand der Eltern. Das Sicherheitsgefühl baut Vertrauen auf und darf nicht unterschätzt werden!
Wenn die Kinder sich sicher aufrichten und das Gleichgewicht im Stand halten können orientieren sie sich auch zunehmend im Raum. Mobilität und Fortbewegung ist eines der menschlichen Grundbedürfnisse, die Einfluss auf unsere Lebensqualität haben. Die meisten Kinder begeistern sich noch vor ihrem ersten Geburtstag an Rutschfahrzeugen (z.B. Bobby Car ®), bei denen sie sich im Sitzen abstoßen können.

Viel Bewegung fördert den Gleichgewichtssinn

Im Laufe der Zeit finden sich ganz spielerisch Reize, die das Gleichgewichtssinn prägen. Alle Möglichkeiten werden dabei ausgeschöpft. Durch Wippen, Balancieren, Gleiten, Rollen, Hüpfen usw. stoß en Kleinkinder an ihre Grenzen, wenn die Motorik und die Koordination noch nicht so mitspielen. Je mehr Bewegungsfreiheiten Eltern ihren Kindern einräumen, umso sicherer wird das Gleichgewichthalten erlernt. Gleich anschließend empfiehlt sich die Verwendung des ersten Zweirads – ein Lauflernrad. Es macht viele Freude, die kleinen Racer beim Umgang mit diesen Fahrzeugen zu beobachten. 
 

Kinderlaufräder - spielend Radfahren lernen

Schon kurz nach dem Laufen lernen kann man Kindern mit den praktischen und zum Teil auch sehr stylischen Lauflernrädern eine erste Fahrradvorstufe anbieten. Die kleinen Lauflernräder sehen schon fast aus, wie die coolen Bikes der Großen. In kürzester Zeit lernt der Nachwuchs mit ihnen die Basics des Radfahrens und rollt manchmal schneller davon als man selbst laufen möchte. Ohne, dass Kinder durch Pedale oder Bremsen überfordert werden, geht es bei den Lauflernrädern zunächst um das Balancegefühl auf zwei Rädern. Ausführungen mit Luftbereifung und die Möglichkeit den Sattel zu verstellen garantieren jede Menge Action und Spaß bis zum ersten echten Kinderrad.

Rauf auf's erste richtige Fahrrad

Auch ein sicherer (luftbereifter) Kinderroller ist eine gute Hinführung zum Radfahren. Das Lauflernrad ähnelt aber mehr dem Fahrrad und sollte daher dem Roller vorgezogen werden. Roller, Lauflernrad und Fahrrad unterliegen aber den gleichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die das Feingefühl für die senkrechte Haltung auf dem Zweirad betreffen. Kinder spüren die geringste Abweichung und lernen diese zu korrigieren. 

Und das geht so:

„Wenn der Gleichgewichtssinn beispielsweise eine Veränderung nach rechts wahrnimmt, muss auch eine Kurve nach rechts gesteuert werden. Meist richtet das den Radelnden oder Rollenden nicht bloß wieder auf, sondern er kippt postwendend zur linken Seite, worauf nun auch eine Links-Lenkung zu folgen hat. Das langsame Geradeausfahren ist demzufolge nichts anderes, als ein permanentes Schlangenlinienfahren und ein pausenloses Schwanken“ (Hans-Christian Smolik, Kinder und Radfahren ISBN 3-88269-024-0, S.9).
Mit einem Kinderlaufrad oder alternativ mit dem Kinderroller können sich die Kinder langsam an diese Bewegungsabläufe herantasten. Durch Abstoßen mit den Beinen erfährt das Zweirad entsprechenden Schub nach vorn. Mit der Zeit werden die Phasen ohne Bodenkontakt länger und ganz automatisch erfahren die Kinder die Wirkung der zuvor beschrieben Lenkausschlägen. Das Gleichgewicht auf dem Zweirad wird schon bald sicher beherrscht. Auf ganz leichtem Gefälle (von ca. 2%), bei dem z.B. das Kinderlaufrad von selbst herabrollt, kann gesehen werden, wie sicher der Umgang mit dem Fahrzeug abläuft. Wenn das gut und sicher funktioniert kann der Übergang zum Fahrradfahren erfolgen.
Und dabei gilt, ein relativ leichtes Kinderfahrrad eignet sich in der Regel optimal für die ersten Versuche auf einem richtigen Fahrrad.
Tolle Tipps findet Ihr auch auf der folgenden Website des Netzwerkes für Bewegungspass
https://www.bewegungspass-bw.de/fahrradfahren-lernen-so-bringen-sie-ihrem-kind-das-radfahren-bei/


Die Kunst des Pedaltretens: Ein wichtiger Schritt beim Fahrradfahrenlernen

Hinzu kommt beim Fahrrad das Vorwärtskommen mit den Pedalen. Diesen Schritt - oder besser gesagt Tritt – lernen die meisten Kids in einer erstaunlich kurzen Zeit. Das Fahrrad wird ganz am Anfang vielleicht noch wie beim Kinderlaufrad mit Abstoßen in Bewegung gebracht. Wenn das Kind auf dem Sattel sitzt sollte auf waagerechtem Terrain die Tertbewegung erklärt und ausprobiert werden. Damit das ganze sicher abläuft, vorzugsweise den Sattel soweit nach unten stellen, dass auch sitzend beide Füße stabil auf der Erde stehen können. So wird das Kind die Freude am Radfahren behalten und kann schnell eine gewisse Routine mit der „Kunst des Pedaltretens“ erlangen.

 

Fordern und Fördern des Gleichgewichts

Nachdem der Start ins „Radleben“ geglückt ist muss ganz viel geübt werden. Der Sattel kann jetzt Stück für Stück passend nach oben gestellt werden. Bis zur Teilnahme an der Fahrradmobilität der Großen sollte die Nutzung des Kinderrads spielerisch und immer mit viel Spaß erfolgen, so dass die Freude am Radfahren auch erhalten bleibt. Daher begleiten Sie Ihr Kind immer entsprechend der ganz individuellen Entwicklungsphase. Gemeinsam geübt werden kann z.B. das Anfahren und Anhalten. Hierbei spielt die ausreichende Startgeschwindigkeit eine große Rolle. Sonst gerät das Kind in Schlenkern. Daher ist auch das Langsam fahren eine gute Übung, um mit den zuvor beschriebenen Lenkausschläge das Gleichgewicht zu halten.

Die Lust aufs Radfahren

Kinder sind in der Regel abenteuerlustig und freuen sich auf was Neues. Entscheiden ist also, dass die kleinen Kinder nicht die Lust aufs Radfahren verliert. Von Beginn an soll das Kind seine ersten Zweirad-Erfahrungen positiv in Erinnerung behalten. Die Freude bleibt erhalten, wenn das Gefährt leicht und sicher zu nutzen bleibt.

Viele Eltern beteiligen ihre Kinder bereits bei der Auswahl der Räder. Hierdurch nehmen sich die kleinen Radler und Radlerinnen ernst genommen und bringen ihre Wünsche und Vorstellungen mit ein.

Kinderfahrrad Bremsen einstellen und benutzen

Es muss von Anfang an sichergestellt werden, dass die Bremsen eingestellt sind und funktionieren. Erkläre dem Kind, dass es die Bremsen nur dann benutzen soll, wenn es die Geschwindigkeit reduzieren, bei Abfahrten beibehalten und/oder anhalten möchte. Kinder müssen frühzeitig lernen, wie sie ihr Fahrrad sicher und zügig zum Stehen bringen können. An dieser Stelle gehen wir nicht darauf ein, ob nun mit einer Rücktrittbremse in Verbindung mit einer Handbremse (i.d.R. beim Kinderfahrrad eine Felgenbremse) oder mit zwei Handbremsen gebremst werden kann. Wichtig ist auf jeden Fall, dass jede Handbremse so eingestellt werden muss, dass Kinder mit ihren noch kleinen Händen die Griffe zuverlässig greifen und bedienen können. Der Abstand der Grifffläche zum Lenkerbügel kann bei jedem guten Kinderfahrrad an einem Stellschräubchen am Bremsgriff kindgerecht eingestellt werden.

Die Bremsgriffe müssen also immer so nahe am Lenker sein, dass die Radler*innen sie auch mühelos erreichen können. Alle Bremsen müssen so leichtgängig sein, dass die Kraft mit den Händen bzw. beim Zurücktreten (bei der Rücktrittbremse) ausreicht, um dass Rad zu blockieren. Versuche das immer vor Beginn des Radfahrens bzw. bei noch niedriger Geschwindigkeit.

Die letztendliche Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr (auch auf dem Bürgersteig) ist bekanntlich gefährlich und sollte erst Jahre später erfolgen. Verkehrsregeln sollten möglichst früh vermittelt werden. Auch das kann ganz spielerisch geschehen.

Wenn die Kinder die Herausforderungen zum Radeln gemeistert haben und nunmehr offensichtlich ihr Fahrrad beherrschen, kann der Schwierigkeitsgrad sogar noch gesteigert werden. Ein Beispiel hierfür ist das Einrad fahren. Aber zu diesem Thema bitten wir im Internet - z.B. auf einem Videokanal - entsprechend separat zu suchen.

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